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Erster Stopp: Die Königliche Bibliothek

Für meine Architektur-Tour nehme ich das Fahrrad. Kopenhagen ist die Welthauptstadt der Fahrradfahrer, viele Wege in der Hauptstadt Dänemarks wurden sogar speziell für Fahrradfahrer geplant. Ein Fahrrad zu leihen ist hier überhaupt kein Problem. Das geht fast an jeder Straßenecke. Ich hole mir meinen Drahtesel bei Copenhagen Bicycles in Nyhavn. Dort schwinge ich mich auf den Sattel und stehe nach fünf Minuten Fahrt bereits vor der Königlichen Bibliothek, einer der größten Bibliotheken der Welt. Auf meiner Tour durch die dänische Stadt interessiere ich mich vor allem für den modernen Anbau der Königlichen Bibliothek aus poliertem schwarzem Granit. 1999 fertiggestellt, bekam der Anbau schnell den Spitznamen „der Schwarze Diamant“: Seine Fassade spiegelt sich spektakulär im Wasser und macht die Königliche Bibliothek zu einem der beliebtesten Fotomotive in der Stadt.

Der „schwarze Diamant", der Anbau der Königlichen Bibliothek, in Kopenhagen. Quelle: mauritius images / Alamy / Zoonar/Nataliia Anisimova

Fahrradfahrer als Könige der dänischen Straßen

Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen dicht beieinander und so dauert es auch nur drei Minuten, bis ich das Dänische Architekturzentrum erreiche. Von außen sieht das Gebäude ein wenig so aus, als habe man Kartons aus Glas wirr übereinandergeschichtet. Bevor ich durch die Ausstellung bummle, steht ein verspätetes Frühstück auf dem Programm. Im DAC-Café lasse ich mir ein typisch dänisches Smørrebrød und einen Kaffee schmecken. Besonders beeindruckend: der tolle Blick von der Dachterrasse. In der Ausstellung erfahre ich viel über die Architekturgeschichte in Dänemark und das Stadtplanungskonzept von Kopenhagen. Fahrradfahrer sind in der Hauptstadt Dänemarks die Könige der Straßen. In den vergangenen 15 Jahren wurden zum Beispiel mehrere Brücken über das Hafenbecken gebaut, die für Autofahrer tabu sind.

Blick auf eine moderne Radfahrerbrücke in Kopenhagen. Quelle: mauritius images / Alamy / alexandre zveiger

Dänisches Mittagessen und ein Sprung ins kühle Nass 

Über eine solche Brücke, die Cykelslangen (Fahrradschlange), radle ich weiter. Mit einem eleganten Schlenker führt sie über das Wasser. Direkt vor der Gemini Residence erreiche ich das andere Ufer. Architekten haben hier drei Silos einer stillgelegten Fabrik zu Wohnungen umgebaut. Ich steige ab und mache ein paar Fotos von dem ungewöhnlichen Projekt. Dann geht es auch schon weiter. Nach einem knappen Kilometer, für den ich weniger als fünf Radel-Minuten brauche, erreiche ich das Kulturhuset Islands Brygge. Abends finden hier oft Kulturveranstaltungen statt. Jetzt, um die Mittagszeit, sind die Tische im Bryggens Spisehus drinnen und draußen voll besetzt. Ich sichere mir einen Platz in der Sonne mit Blick aufs Wasser und bestelle mir ein günstiges Dagens Lunch - so nennt man hier das Mittagessen. Ein paar Kinder baden im Wasser. Ich schaue ihnen eine Weile zu. Nach zugegebenermaßen langem Zaudern springe ich ins frostig kalte Wasser. Schwimmen mitten in der Stadt? Das ist in Kopenhagen normal. Es gibt unzählige Badestellen, im Sommer scheint die Stadt ein riesiges Freibad zu sein.

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Abstecher zur Oper und Strom für 60.000 Häuser

Zum nächsten Punkt der Tour sind es diesmal drei Kilometer, dafür bin ich etwa zehn Minuten unterwegs. Die Oper wurde vom weltberühmten Architekt Henning Larsen entworfen, vom dänisch-isländischen Künstler Olafur Eliasson stammen drei große Lichtskulpturen im Foyer. Eine Führung durch das Haus ist spannend – damit ich einen Platz bekomme, habe ich online reserviert.

Blick auf die Oper von Kopenhagen und das  Königlich Dänische Theater. Quelle: mauritius images / Alamy / Kristian Kirk Mailand

Weiter geht es zum Amager Bakke bzw. dem CopenHill. Für die gut zwei Kilometer bin ich zehn Minuten unterwegs. Der CopenHill ist eine Skipiste auf dem Dach einer Recyclinganlage. Klingt verrückt? Ist es auch. In dem Gebäude wird aus Abfall Energie für die Heizungen von 160.000 Haushalten und Strom für 60.000 Häuser produziert. Das Kraftwerksgebäude, der Amager Bakke (Hügel von Amager) ist 85 Meter hoch, die ganzjährig befahrbare Piste 500 Meter lang. Ein Ausflug hierher lohnt sich auch für die, die es nicht so mit Skifahren haben: Amager Bakke kann man auch zu Fuß erklimmen. Ein „Wanderpfad“ führt zur Aussichtsplattform, unten im „Tal“ wartet eine Après-Ski-Bar.

Blick auf den CopenHill in Kopenhagen. Quelle: mauritius images / Alamy / Craig Jack Photographic

Mit dem Fahrrad auf das Schiff

Langsam wird es dunkel und ich mache mich auf den Rückweg. Knapp fünf Kilometer wäre ich von Kopenhagens einziger Skipiste bis zum Skuespilhuset, dem Royal Danish Playhouse unterwegs. Nach dem langen Fahrradtag schone ich aber meine Waden und nehme den Wasserbus. Mein Fahrrad kann ich kostenlos mitnehmen und so bin ich schnell am Theater, dem letzten Punkt auf meiner Architekturtour. Es wurde 2008 mit dem prestigeträchtigen Europapreis des Royal Institute of British Architects ausgezeichnet. Nach einem kurzen Rundgang durchs Haus gibt es im Restaurant Ofelia noch ein Abendessen – mit traumhaftem Blick auf den Hafen und die Oper. 

Ein Mann sitzt auf einer Kaimauer, im Hintergrund das Königliche Theater. Quelle: mauritius images / Westend61 / Vitta Gallery

Ein Tipp zum Schluss: Euch interessiert eher klassische Baukunst? Dann solltet ihr unbedingt Schloss Amalienborg, Schloss Rosenborg und Schloss Christiansborg besuchen. Vor dem ersten findet jeden Tag zur Mittagszeit die Wachablösung der königlichen Garde statt. Im zweiten werden die Kronjuwelen der dänischen Königsfamilie gelagert und im dritten tagt das Folketing, das Parlament Dänemarks. 

Mein Fazit: Mit dem Fahrrad lässt sich Kopenhagen am besten erkunden. Was mir auffällt: Die modernen Gebäude fügen sich perfekt in die Stadt am Wasser ein.

Rasso Knoller

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