Von Antike bis Streetart: Die besten Sehenswürdigkeiten in Athen
Auf der Akropolis beginnt die Reise durch Athen
Die Akropolis ist die mit Abstand berühmteste aller Sehenswürdigkeiten in Athen und der eine Klassiker, den du wirklich nicht auslassen solltest. Sie thront wahrlich über der Stadt und es ist ein ganz besonderes Vergnügen, sie zum ersten Mal live zu sehen. Dabei bezeichnet der Name nicht, wie häufig angenommen, den großen Marmortempel, sondern den gesamten befestigten Burgberg. Das berühmte Bauwerk auf seiner Spitze ist der Parthenon, der zu Ehren der Stadtgöttin Athene errichtet wurde. Der Name Akropolis ist zudem eine generelle Bezeichnung im alten Griechenland für diese Art von Festung gewesen und im griechischen und türkischen Raum gibt es weitere sogenannte Anlagen mit Tempeln und Heiligtümern, die sich bis heute erhalten haben.
Nach diesem kleinen archäologischen Exkurs aber zurück zu deinem Besuch: Plane ihn dir möglichst für den frühen Morgen ein. Dann ist es auf dem weitgehend schattenlosen Gelände noch sehr angenehm und du kannst die antiken Bauwerke in vergleichsweise ruhiger Atmosphäre betrachten und genießen. Neben dem Parthenon solltest du dir das Erechtheion mit seiner von Frauenfiguren getragenen Vorhalle genauer ansehen – und auch der Blick über das dicht bebaute Häusermeer Athens bis zu den umliegenden Hügeln ist ein echtes Erlebnis. Trage für deinen Besuch der Akropolis unbedingt Schuhe mit gutem Profil. Die blank gelaufenen Marmorsteine können selbst bei trockenem Wetter sehr rutschig sein – ich weiß, wovon ich spreche.
Tauche im Akropolismuseum tiefer in die Geschichte der Stadt ein
Das Akropolismuseum ist die ideale Ergänzung zum Rundgang über die Festungsanlage. In dem modernen Gebäude werden Funde aus verschiedenen Bereichen der Akropolis gezeigt. Dadurch lassen sich viele Details, an denen du draußen vielleicht vorbeigegangen bist, besser einordnen. Spannend ist vor allem der Kontrast zwischen antiken Exponaten und moderner Architektur; das Museum wurde im Jahr 2009 eröffnet. Durch die großen Glasflächen ist die Akropolis immer wieder sichtbar; an anderen Stellen geben Glasböden den Blick auf archäologische Ausgrabungen unter dem Museumsgebäude frei. Ich würde dir auf jeden Fall empfehlen, erst die Akropolis zu besuchen und anschließend das Museum. So erkennst du viele Bauwerke und Details aus deinem Rundgang in der Ausstellung wieder. Für eine Verschnaufpause bietet sich das Museumscafé mit Blick auf den Burgberg an.
Insel-Feeling in den Gassen von Anafiotika
Nur wenige Minuten von der Akropolis entfernt beginnt einer der überraschendsten Spaziergänge der Stadt. In Anafiotika führen schmale Wege zwischen kleinen weiß getünchten Häusern hindurch. Blaue Fensterläden, Blumentöpfe und Treppen lassen das Viertel eher wie ein Kykladendorf wirken als einen Teil der griechischen Hauptstadt – und genau das ist auch so gewollt. Das Viertel wurde nämlich nach dem Vorbild der Häuser auf der Ägäisinsel Anafi erbaut und bedeutet so viel wie Klein-Anafi. Das Insel-Feeling kommt auf jeden Fall rüber, denn stellenweise hast du gar nicht mehr das Gefühl, dass du dich eigentlich noch mittem im Zentrum einer pulsierenden Millionenstadt befindest. Einige Wege enden scheinbar plötzlich vor einer Hauswand oder werden so schmal, dass nur eine Person hindurchpasst. Ein schöner Rundgang führt von Anafiotika zur Akropolis und anschließend über die Fußgängerzone Dionysiou Areopagitou in Richtung Thiseio, Monastiraki und Plaka. Unterwegs wechselst du immer wieder zwischen antiken Anlagen, Wohnvierteln und lebendigen Plätzen. Da Anafiotika ein reines Wohngebiet ist, solltest du dich in den schmalen Gassen besonders rücksichtsvoll verhalten.
Schlendere durch die antike Agora nach Monastiraki
Trotz seiner Größe lässt Athen sich ziemlich gut zu Fuß erkunden und im Zentrum gibt es viele Füßgängerzonen; und du ahnst es bereits, auch hier begegnet dir die reiche Geschichte der Stadt an jeder Ecke. In der antiken Agora spielte sich beispielsweise ein wichtiger Teil des öffentlichen Lebens ab. Heute kannst du durch das weitläufige Gelände spazieren und archäologische Überreste sowie ein Museum mit Fundstücken besichtigen. Besonders eindrucksvoll ist der Tempel des Hephaistos. Er ist außergewöhnlich gut erhalten, weil er zwischenzeitlich als Kirche genutzt wurde. Von der Agora bist du schnell am Monastiraki-Platz, an dem ganz Athen irgendwann am Tag ganz bestimmt vorbeikommt. Der Platz eignet sich besonders gut auch als Ausgangspunkt für Streifzüge durch Psyri und das Marktviertel.
Nicht nur eine Stadt der Antike: Die Streetart von Exarcheia und Psyri
Neben seinem kulturellen Erbe ist Athen tatsächlich eine der spannendsten Streetart-Metropolen Europas. Besonders deutlich wird das in Exarcheia, wo die Ursprünge dieser Kunstform in Athen liegen. Wandbilder, Schriftzüge und Plakate prägen ganze Straßenzüge und erzählen von politischen Konflikten, gesellschaftlichen Debatten und dem Alltag in der Stadt. Exarcheia gilt als die Wiege der Streetart in Athen und hat sich bis heute einen alternativen und unagepassten Charakter bewahrt. Zwischen den bemalten Fassaden liegen Buchhandlungen, Plattenläden, kleine Cafés und Lokale. Nimm dir Zeit, auch in die Nebenstraßen zu schauen. Manche Arbeiten bedecken komplette Häuserwände, andere verstecken sich auf Rollläden, Türen oder Stromkästen. Da sich die Streetart in Athen ständig verändert lohnt es sich, sich ohne feste Motivliste treiben zu lassen. Was heute an einer Wand zu sehen ist, kann beim nächsten Besuch bereits übermalt worden sein.
Neben Exarcheia ist Psyri ein weiterer Hotspot für Kunst im öffentlichen Raum. Halte unter anderem nach dem Porträt des Hundes Loukanikos Ausschau. Er wurde während der Proteste zu einem Athener Volkshelden und vom Künstler Billy Gee auf einer Hauswand verewigt. Billy Gee hat übrigens auch im Rheinland gewirkt und den Bahnhof Köln-Ehrenfeld mitgestaltet. Obwohl das Viertel super zentral liegt, fühlt es sich deutlich rauer und kreativer an als die anderen Straßen der Altstadt. In dem ehemaligen Handwerkerviertel treffen kleine Werkstätten auf Bars, Restaurants und Streetart. Besonders interessant ist der Mix aus alten Gewerberäumen und neuen gastronomischen Konzepten. Kleinder Tipp, wenn du genau so ein Streetart-Fan bist wie ich: Laufe nicht nur über die belebten Hauptachsen. Gerade in den kleineren Seitenstraßen verstecken sich viele interessante Murals – sogenannte Wandbilder. Psyri eignet sich ausgezeichnet für den Abend, weil du Sightseeing und Essen unkompliziert verbinden kannst. Im Ta Karamanlidika Tou Fani treffen Feinkostladen und Restaurant aufeinander. Besonders köstlich sind die Meze und die kleinen Vorspeisen eignen sich hervorragend zum Teilen. Für Fisch gehst du zu Atlantikos und für levantinische Küche zu Feyrouz.
Staune im Archäologischen Nationalmuseum
In Exarcheia prallen moderne Streetart und Kunst längst vergangener Zeiten direkt aufeinander. Denn hier befindet sich auch das berühmte Archäologische Nationalmuseum, eines – aus meiner Sicht – besten archäologischen Museen der Welt. Ich habe Klassische Archäologie mit Fokus Griechenland im Nebenfach studiert. Die umfangreiche Sammlung führt durch verschiedene Epochen der griechischen Antike und zeigt beeindruckende Skulpturen, Keramik, Schmuck und viele weitere archäologische Funde. Ich habe hier schon so einige Stunden verbracht. Falls du nicht ganz so viel Zeit einplanen möchtest, suche dir lieber einige Bereiche aus, die dich besonders interessieren, anstatt möglichst schnell durch alle Räume zu laufen. Gerade nach einem Besuch der antiken Stätten hilft die Ausstellung dabei, historische Zusammenhänge noch besser zu verstehen. Danach kannst du den Tag in einem der Cafés oder in einer Taverne in Exarcheia ausklingen lassen. Die besten Meze habe ich übrigens im Ama Lachei gegessen, nur wenige Gehminuten vom Museum entfernt. Alternativ warten im Pharaoh griechische Gerichte mit einem besonderen Twist auf dich.
Zeit für zeitgenössische Kunst im EMST
Nach mehreren Tagen zwischen Säulen, Tempeln und archäologischen Fundstücken darf es gerne etwas zeitgenössischer werden. Das EMST, das Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst, ist dafür meine erste Wahl. Es zeigt eine ganz andere Seite der Stadt und bildet einen wunderbaren Kontrast zu den historischen Museen. Dass zeitgenössische Kunst ganz wunderbar zu Athen passt, ist kein Zufall. Spätestens seit der Documenta 2017 ist die Stadt auch international als kreativer und politischer Kunstort stärker in den Fokus gerückt. Außerhalb des Museums begegnet dir Gegenwartskunst ebenfalls an vielen Stellen, ob als Streetart auf Hauswänden, in kleinen Galerien oder in den Ateliers von Exarcheia und Kypseli. Gerade dieser Wechsel zwischen antiker Hochkultur und einer jungen, teilweise rauen Kreativszene macht Athen für mich so faszinierend.
Beobachte den Alltag der Locals in Pangrati
Pangrati ist der ideale Gegenpol zur touristischen Altstadt. Das Viertel südöstlich des Zentrums wirkt wohnlich und angenehm unaufgeregt. Hier kommen Athener:innen zum Frühstück, treffen sich auf einen Kaffee oder verbringen den Abend in kleinen Restaurants und Bars. Statt einzelner großer Sehenswürdigkeiten lebt Pangrati von seiner Atmosphäre. Schlendere ohne feste Route durch die Straßen, setze dich in ein Café und beobachte den Alltag. Zum Frühstück oder Brunch geht es zu Oh Boy, für eine Mittagspause empfehle ich dir Mavro Provato mit moderner griechischer Küche. Später ist das kleine Chelsea eine entspannte Adresse für einen Drink. Zum Viertel gehört außerdem das Panathinaiko-Stadion. Hier fanden 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit statt. Fans der modernen Kunst sollten unbedingt in der Basil & Elise Goulandris Foundation vorbeischauen, die sich fast direkt neben dem Stadion befindet.
Probiere griechischen Freddo in besonderen Cafés
Auch Kolonaki lohnt sich für einen Spaziergang. Das Viertel ist eleganter als Exarcheia oder Psyri und bekannt für Cafés, Restaurants und Boutiquen. Hier befindet sich das Benaki-Museum in der ehemaligen Villa einer Sammlerfamilie. Die Ausstellung führt dich durch verschiedene Epochen der griechischen Geschichte. Plane anschließend unbedingt eine Pause im Dachcafé des Museums ein. Die schöne Aussicht macht es zu einer jener Adressen, bei denen der Cafébesuch fast genauso sehr zum Erlebnis gehört wie die Ausstellung. Ein weiterer besonderer Ort ist das Café des Numismatischen Museums, nur zehn Minuten Fußweg vom Benaki-Museum entfernt. Es liegt in einem hübschen Innenhof und ist ideal für einen griechischen Freddo. Der Freddo Espresso ist übrigens eine echte griechische Sepzialität, die in den 1990er-Jahren erfunden wurde und wird aus Espresso zubereitet, kalt aufgeschlagen und mit Crema serviert. Beim Freddo Cappuccino kommt dann noch kalter Milchschaum oben drauf. Im Gegensatz dazu basiert der beliebte Frappé auf Instantkaffee. Wenn du lieber dort sitzt, wo auch viele Einheimische ihren Kaffee trinken, solltest du bei Dexameni vorbeischauen.
Nicht verpassen: Zum Sonnenuntergang auf den Lykabettus
Kein Athen-Besuch ist komplett ohne den Blick wenigstens einmal vom Lykabettus-Hügel über die Stadt schweifen gelassen zu haben. Die höchste Erhebung der Stadt bietet ein fantastisches Panorama über das Häusermeer, die Akropolis, die umliegenden Berge und bei klarer Sicht bis zum Meer. Besonders schön ist es hier zum Sonnenuntergang. Ich würde dir empfehlen, dich rechtzeitig auf den Weg zu machen und den Besuch nicht zu knapp zu planen. So kannst du beobachten, wie das Licht langsam wärmer wird und später die Akropolis über den Dächern der Stadt zu leuchten beginnt. Für das Dinner danach stehen gleich mehrere gute Adressen zur Auswahl. Im Kuzina kannst du den Tag mit leckeren Meze und anderen griechischen Köstlichkeiten ausklingen lassen. Für Cocktails empfehle ich dir Baba Au Rum, für Wein das Warehouse oder Taniní.
Zwischen zwei Sehenswürdigkeiten muss es nicht immer ein langes Essen sein. Für ein klassisches Souvlaki gehst du zu Kostas, das es gleich zweimal in der Stadt gibt. Souvlaki gehört zu den Lieblingsgerichten der Athener:innen und Kostas ist eine echte Institution, die nur die besten Zutaten verwendet. Und eine Flasche Olivenöl als Souvenir für zu Hause findest du hier.
Verbinde Athen mit einem Ausflug ans Meer
Nur wenige europäische Hauptstädte lassen sich so einfach mit einem Tag am Meer verbinden wie Athen. Wenn du nach mehreren Tagen zwischen Museen, Ruinen und Stadtvierteln eine Pause brauchst, erreichst du die Küste vom Zentrum aus bereits in etwa 30 Minuten mit der Metro. Du musst also nicht gleich einen kompletten Strandtag einplanen. Auch ein Ausflug am späten Nachmittag lohnt sich: erst ins Wasser springen, anschließend Fisch oder Meze essen – zum Beispiel im Papaioannou oder Margaro – und den Sonnenuntergang am Meer bestaunen.
Einen Zwischenstopp solltest du im Stavros Niarchos Foundation Cultural Center einplanen. Der von Renzo Piano entworfene Kulturkomplex beherbergt die Griechische Nationaloper und die Nationalbibliothek. Dazu kommen ein großer Park und schöne Ausblicke in Richtung Meer. Gerade dieser Mix aus moderner Architektur, Kultur und mediterraner Atmosphäre macht den Ort für mich zu einem der spannendsten Ausflugsziele außerhalb des Zentrums.
Wenn du einen ganzen Tag Zeit hast, kannst du von Piräus mit der Fähre nach Ägina fahren. Die Insel gilt als eine Art Hausinsel der Athener:innen und eignet sich perfekt, wenn du deinen Städtetrip noch um etwas echtes Inselgefühl ergänzen möchtest.