Die schönsten Städte Portugals: Fünf urbane Traumziele zwischen Atlantik, Azoren und Madeira
Lissabon: Hügel, Tramgeratter und kreative Viertel
Lissabon ist eine Stadt, in der du dich leicht verlaufen kannst. Aber das genau sollte auch dein Plan sein, denn nur so entdeckst und erfährst du dieses Prachtexemplar in seiner ganzen Vielfalt. Starte am besten in den historischen Vierteln im Stadtkern wie Baixa, den Shoppingmeilen von Chiado, oder den Ausgehmekkas Bairro Alto und Alfama. Die engen, steilen Gassen, die gefliesten Fassaden, die kleinen Plätze und die ikonische Tram 28 ziehen sich durch die Stadt und verbreiten ihre besonder Magie. Von oben blickst du an den hoch gelegenen Aussichtspunkten wie dem Miradouro da Senhora do Monte oder dem Miradouro de Santa Catarina über die roten Dächer bis zum Tejo. Allesamt perfekte Spots für Sonnenuntergänge mit Take-away-Bier oder dem Heißgetränk Galão aus einem der Cafés wie dem Baobá. Wenn du dich in dieser Stadt der Dauerbewegung gerne etwas ausruhen möchtest, solltest den Ausblick von der Terrasse des Quiosque do Adamastor genießen. Abends gibt es hier auch mal spontan Livemusik. Am Ufer wartet Belém mit dem Torre de Belém und dem Hieronymus-Kloster, ein UNESCO-Weltkulturerbe und Paradebeispiele für den portugiesischen Manuelinik-Architekturstil – eine portugiesische Variante der Spätgotik. Im Anschluss holst du dir im Pastéis de Belém das bekannteste Nata des Landes. Karamellisiert, legendär, süchtig machend.
Wenn du die moderne Seite der Stadt suchst, geht es für dich zur LX Factory. Die alte Fabrikanlage steckt heute voller Concept Stores, Designläden, Buchhandlungen und Restaurants. Noch ein Stück urbaner und rauer wird es in Marvila, einem der aufstrebenden Viertel mit Craft-Beer-Brauereien, Street-Art und Galerien in ehemaligen Lagerhallen. Abends mischst du dich am besten in Bairro Alto unter Studierende, Kreative und Nachtschwärmer:innen. Auf der Partymeile der Stadt reiht sich Bar an Bar. Von Fado-Kneipen wie dem Trovas Antigas, wo traditionelle Livemusik gespielt wird, bis hin zu Cocktailläden wie dem Majong. Hier findest du garantiert für jeden Geschmack und jeden Gemütszustand etwas. Wenn du es entspannter magst, schnapp dir ein Glas Vinho Verde am Cais do Sodré und schau zu, wie die Fähren den Tejo kreuzen. Wirkt manchmal wie ein Märchen, ist aber Lissabon wie es lebt und atmet.
Porto: Altstadt-Charme und Portwein am Douro
Porto wirkt auf den ersten Blick vielleicht wie die nordische, bodenständige Schwester Lissabons. Doch wenn du durch die Altstadt Ribeira mit ihren farbigen Häusern, Wäscheleinen über den Gassen und kleinen Lokalen läufst, in denen der Duft von frisch gegrilltem Fisch hängt, fühlst du dich auch hier gleich herzlich in den Arm genommen. Setze dich mit einem Glas Wein auf die Kaimauern des Flusses Douro und und blicke auf die markante Dom-Luís-I-Brücke, die sich in eleganten Bögen darüber spannt. Schnell wird aus rauer Schönheit, sanfte Romatik.
Ein Muss ist ein Abstecher auf die andere Flussseite nach Vila Nova de Gaia. Mit dem Fahrrad brauchst du ewa 30 Minuten bis zur Pilgerstätte für Portweinfans – und solche, die es noch werden wollen. Der Süßwein trägt nicht nur den Namen der Stadt in sich, die Region um Porto ist die historische Wiege des portugiesischen Exportschlagers. In Nova de Gaia kannst du von Portweinkellerei zu Portweinkellerei flanieren, interssante Führungen buchen und so mehr über die Herstellung lernen. Wir empfehlen dir den Besuch einer weniger überlaufene Kellereie wie Vasques de Carvalho, um gemütlich und stressfrei ganz viel Porto in der Kehle zu spüren. Zurück im Zentrum lohnt ein Spaziergang auf der oberen Ebene der Dom-Luís-I-Brücke. Von hier aus hast du einen der spektakulärsten Blicke auf die Stadt.
Steht dir der Sinn nach etwas Kultur, schaue dir auf jeden Fall die azulejo-bedeckten Kirchen wie die Igreja do Carmo an. Ein sehr beliebter Ort ist auch die berühmte Livraria Lello, die als eine der schönsten Buchhandlungen der Welt gilt und ihrem Ruf definitiv gerecht wird. Allerdings ist der Laden inzwischen kein Geheimtipp mehr und dementsprechend voll. Der Eintritt kostet zehn Euro. Tauche danach in die moderne Seite Portos ein. In der Rua das Flores und rund um die Galerias de Paris findest du coole Bars wie der Floorbar oder das Once Upon a Time. Kreative Tapas findet du im Voltaria, für Gitarren lastige Live-Musik lohnt es sich immer im Castle Rock Pub vorbeizuschauen. Porto ist gleichzeitig nostalgisch und überraschend jung. Perfekt, wenn du gern durch Städte streifst, statt nur Sehenswürdigkeiten abzuhaken.
Faro: Altstadtflair und Lagunen-Labyrinth an der Algarve
Faro ist die relaxte Hauptstadt der Algarve. Und der ideale Ort, wenn du Stadtflair und Natur kombinieren willst. In der schnuckeligen, von Mauern umgebenen Altstadt spazierst du durch kopfsteingepflasterte Winkelgassen. Die malerischen weiß gekalkten Häuser sind oft so alt, dass sie nicht mehr bewohnbar sind. Lediglich im Untergeschoss befinden sich noch Cafés, Bars und Geschäfte. Das gibt der gesamten Altstadt einen verwunschenen Charakter, der duch den fruchtigen Duft der zahlreichen Orangenbäume an den Straßenrändern noch untermalt wird. Lass dich am besten erstmal durch die Gassen bis zur Kathedrale auf dem Largo da Sé treiben und genieße vom Turm der Kirche aus den einen grandiosen Blick über die roten Ziegeldächer und das Labyrinth der Lagune des Parque Natural da Ria Formosa. So beeindruckend wie morbide ist auch der Besuch der Igreja do Carmo. Denn im angeschlossenen Garten steht eine kleine Kapelle, die im Inneren mit Knochen und Schädeln von über eintausend ehemaligen Mönchen ausgeschmückt ist. Der Anblick hinterlässt garantiert bleibenden Eindruck, der Eintritt kostet indes nur zwei Euro.
Gehe unbedingt zur Marina und fahre mit einem der Boote in das wahre Naturparadies, das der Parque Natural da Ria Formosa ist. In diesem geschützten Lagunensystem reihen sich Inseln, Sandbänken und Salzwiesen so pitoresk aneinander, das du schnell spüren wirst, warum der Parque Natural zu den sieben Naturwundern Portugals zählt. Versuche im besten Fall eine Tour mit einem Stop auf Culatra zu finden. Auf dieser Insel ist das Leben nochmal entspannter als in Faro selbst. Und das soll was heißen. Hier läufst du über herrlichen Sandstrand, badest in kristallklarem Wasser und genießt die Ruhe der Natur. Kommst du dann vollends relaxed zurück in die Stadt, kannst du doch gleich in den Fluss des Alltags der Bewohner fallen lasse. Genieße ein Bica, eine portugiesiche Espressovariante, an einem der Straßencafés wie dem Natali oder dem moderneren Melbourne Lane, und beobachte den bunten Mix der einheimischen Menschen. Zum Start des Abends gönnst du dir am besten ein Glas Wein in einer Rooftop-Bar mit Blick über die Stadt wie dem Varandas oder der LAB. Zum Abschluss fangfrischer Fisch oder den Eintopf Cataplana in einer der Tavernen wie dem Ostraria Lodo und Faro hat dich garantiert mit seinen sanften Armen umschlossen. Faro ist sicherlich kein reines Postkartenmotiv, sondern eher eine überschaubar wie gemütliche Basis, von dem aus du morgens in die Lagune aufbrichst und abends wieder in die Lichter der Stadt eintauchst. Perfekt für Reisende, die gern zwischen Altstadt und Natur wechseln.
Ponta Delgada: Azoren-Hauptstadt zwischen Vulkanen und Atlantik
Ponta Delgada auf São Miguel ist deine Eintrittskarte in eine andere Welt: Vulkankrater, heiße Quellen, schwarze Strände und mittendrin eine charmante Hafenstadt mit schwarzer Basaltarchitektur und entspanntem Tempo. Die Stadt selbst ist gemütlich, aber der eigentliche Star ist die Insel drumherum. Relativ schnell bist du an spektakulären Orten wie dem Kratersee Sete Cidades, dem Furnas-Tal mit seinen dampfenden Fumarolen oder den heißen Meerwasserpools bei Ponta da Ferraria, in denen sich Atlantik und Thermalwasser treffen. Zwischendurch solltest du dir Zeit für eine Whale-Watching-Tour einplanen, bei der du mit etwas Glück Delfin und Pottwale beobachten kannst. Nicht umsonst gelten die Azoren als eines der besten Gebiete Europas für diese Naturschauspiele.
Doch auch Ponta Delgada selbst bietet dir ein paar echte Highlights. In der historischen Portas da Cidade wartet historische Architektur wie die Kirche São Sebastião auf dich. Die schmalen Gassen beheimaten nicht nur traditionelle Häuser, sondern auch moderne Cafés wie das Intz48 oder die launige Spiele-Bar Game On, wo du mit Freunden oder Fremden aus über 100 Brettspielen auswählen kannst. Ein Paradies, um sich durch den Tag zu spielen. Und auch die Sinne sollen in Ponta Delgada keinesfalls zu kurz kommen. Probiere auf dem Markt regionalen Käse und erfahre die Kraft der Sonne und des Vulkanbodens am Geschmack des frischen Obstes aus lokalen Plantagen. Abends kannst du bei leckerem Essen wie im Arco De Valha nahe dem Yachthafen noch einmal die Azorenatmoshäre auf dich wirken lassen. Ponta Delgada ist ideal für dich, wenn du eine Stadt als Basecamp brauchst. Hier vereint sich hinreißender Charme für den Abend und reichlich Abenteuer gleich hinterm Stadtrand.
Funchal: Tropische Hauptstadt im Atlantik
Funchal auf Madeira ist wie ein Garten, der zur Stadt geworden ist. Überall blühen Bougainvilleen, Jacarandabäume und exotische Pflanzen, im Hintergrund ragen terrassierte Hänge steil aus dem Atlantik. Egal, ob dein erster Anlaufpunkt die belebte und bunte Rua de Santa Maria mit ihren bemalten Haustüren ist oder ein Stadtmarkt wie der Mercado dos Lavradores, auf denen Obst, Fisch und Blumen zu farbigen Collagen werden. Funchal saugt dich buchstäbdlich ein und überträgt seine Energie aus Farbe und Lebensfreude auf dich.
Ein Klassiker beim Besuch von Funchal ist die Seilbahnfahrt hinauf nach Monte: Während du langsam über die Dächer schwebst, öffnet sich der Blick auf Hafen, Stadt und Berge. Oben warten Gärten, Kirchen und die legendären Korbschlittenfahrten, bei denen dich zwei Männer in traditioneller Kleidung in rasantem Tempo die Straße hinuntersteuern. Später kannst du in einem Weinkeller wie bei Borges Madeira-Weine probieren oder in einer typischen Poncha-Bar wie der Bar Number Two oder dem Rei da Poncha den gleichnamigen Zuckerrohr-Schnaps mit Zitrusfrüchten testen. Die Stadt ist außerdem ein perfekter Ausgangspunkt für Inselabenteuer: Levada-Wanderungen entlang alter Bewässerungskanäle, Klippenblicke am Cabo Girão oder Sonnenaufgänge auf dem Pico do Arieiro. Nach deinen Touren ist es umso schöner, wieder in eine Stadt zurückzukommen, in der du zwischen feinen Fisch-Restaurants wie dem Informal (Reservierung empfohlen), familiengeführten Tavernen wie die Taberna de Sé, Rooftop-Bars wie die 360 oder Cocktailbars wie der Flair Spot Bar wählen kannst. Probiere hier unbedingt eine der Tiki-Kreationen in spektakukären Gläsern. Fantastic Funchal!